Ortsgeschichte Heiligkreuz

von Michael Wenz
bearbeitet von Daniela Sibbe und Brigitte Schondelmayer

Vor 300 Jahren gab es Heiligkreuz noch nicht. An der heutigen Stelle befand sich früher eine Wiese, die zu einem Hof mit Namen "Krönlings" gehörte.
Anlass zur Ortgründung war das sogenannte "Blutwunder" von 1691. Bis zu diesem Zeitpunkt gehörte die Wiese zum zehn Minuten entfernten Schwabelsberg, auch "Schwaboldsberg" genannt, der Burg eines gleichnamigen Rittergeschlechts.
Diese Burg wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts von einem Kemptener Bürger gekauft, der sie aber bald wieder veräußerte. 1506 kaufte sie der kaiserliche Sekretär "Gabriel Vogt", der sie 1518 an den Fürstabt "Johannes von Riedheim" verkaufte. 1525, als sie zum Besitz des Fürstabtes „von Breitenstein" gehörte, wurde sie von aufständischen Bauern niedergebrannt. Nach dem missglückten Aufstand begann 1526 der Wiederaufbau. 1537 stellte der Fürstabt "Wolfgang von Grünenstein" die Burg den dem katholischen Glauben treugebliebenen Klosterfrauen des "Sankt Anna Klösterleins" zur Verfügung, welche sie bis 1554 innehatten. 1572 richtete Fürstabt "Johann Eucharius von Wolffurt" das Kloster als Werkstätte zur Prägung von Münzen ein. In der Zeit von 1633 bis 1648 wohnte in Schwabelsberg der Kemptener Fürstabt "Johann Willibald Schenk" mit seinen Benediktinermönchen. Sie waren 1633 nach der Zerstörung der Stiftskirche und des Stiftes Kempten nach Schwabelsberg übergesiedelt. Bis 1648 dauerten die Umbauarbeiten zum Kloster mit der "Sankt Anna Kapelle".
1668 war der Neubau der Residenz in Kempten fertiggestellt, worauf der Fürstabt wieder zurückzog. Die Mönche blieben in Schwabelsberg, wo sie nach strengsten Regeln, wie z.B. dem Verzicht auf Fleischspeisen, leben mussten. Nachdem sich die Mönche nicht an die Vorschriften hielten, ließ der Abt das Kloster mit Soldaten umstellen. Die Mönche gaben mit der Sturmglocke ein Zeichen, worauf die in der Nähe wohnenden Leute bewaffnet anrückten und den Abt und seine Soldaten zum Rückzug zwangen. Am nächsten Tag flohen einige Mönche in die Schweiz. Sie verklagten den Fürstabt beim Papst und verlangten seine Absetzung. Daraufhin musste der Fürstabt dreimal nach Rom. Auf seinem dritten Zug starb er, die Mönche kehrten nach Schwabelsberg zurück.
1679 zogen die Mönche in einer friedlichen Prozession nach 42jähriger Abwesenheit in das Stift Kempten und in die neu erbaute Lorenzkirche ein. Fürstabt "Rupert I. von Bodmann" ließ im leeren Kloster Schwabelsberg eine Weberei einrichten und durch Knappen aus der Schweiz betreiben. Am Sankt Anna Tag 1796 wurde in der Kapelle zu Schwabelsberg ein Pulvermagazin für die kaiserliche Armee eingerichtet. 1802 wurde das Kloster samt Kapelle ganz billig verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut.
1691, am Vorabend des Heiligen Apostels Jakobi, nachmittags zwischen drei und vier Uhr ereignete sich das sogenannte "Blutwunder".
"Elisabeth Wegerin" war auf dem Platz, wo heute die Kirche steht, mit Heuwenden beschäftigt. Da sah sie auf einmal auf einer Fläche eines kleinen ovalen Tischleins das klare Blut an fünf Stellen aus dem Boden einen halben Schuh hoch aufspritzen, was eine halbe Stunde andauerte. Sie holte ihren Mann "Heinrich", ihre zwei Mägde "Katharina Frickin" und "Marianne Kußling", wie auch den in der Nähe arbeitenden Zimmermann "Hannes Sonneberger" herbei. Diese fünf Augenzeugen bekräftigten die Aussage unter Ablegung eines Eides. Die beiden in der Kirche aufbewahrten Rechen sollen lange die Blutflecken gezeigt haben.
An die Stelle des fünffachen Blutquells setzte man noch im selben Jahr ein hölzernes Kreuz. Von da an wallfahrteten viele Leute zu dem heiligen Kreuz und erflehten Heilung und Hilfe in ihren Nöten.
Auf einem Gemälde der unteren Empore der Heiligkreuzer Kirche ist dieses "Blutwunder" dargestellt.


1694 erbaute Fürstabt "Rupert von Bodmann" eine hölzerne Kapelle an dieser Stelle. Daneben ließ er auch eine Wohnung für den Wallfahrtspriester errichten. Ein drittes Holzgebäude diente der Unterbringung der Kirchensakramente.
1711 errichtete derselbe Fürstabt anstelle des Holzkirchleins eine größere Kapelle aus Stein im Barockstil. Diese zweite Kapelle steht noch heute als Chor des Gotteshauses.
Am 14. November 1715 übernahmen Lenzfrieder Franziskanerpater die Zuständigkeit für die Kapelle. Sie verrichteten ihren Dienst zunächst von Schwabelsberg aus, bis sie 1716 mit Erlaubnis des Fürstabtes "Bodmann" ein Klostergebäude mit Wohnungen für zwölf Klostergeistliche und etliche Laien errichten durften. Am 8. Oktober 1717 übersiedelten sie ins Kloster. Am 3. Mai 1723 wurde das wundertätige Kruzifixbild von Liebenthann feierlich in die Kapelle überführt. Dieses Bild ist über 300 Jahre alt.
Am 18. Juli 1730 wurde der Grundstein für den Anbau der heutigen Kirche an die Kapelle gelegt. 1731 war der Bau des Langhauses fertig, 1733 die innere Form der Kirche. 1736 wurde das Hospiz zu seinem heutigen Umfang vergrößert. 1768 wurden im Rokokostil zwei neue Altäre aufgestellt. Am 30. August 1805 erfolgte die Pensionierung der Mönche infolge Auflösung des Klosters. 1807 kamen Mönche aus dem Orden des heiligen Augustinus mit der Bestimmung, hier zu sterben. Der letzte starb am 8. April 1829. Zur gleichen Zeit hatte Heiligkreuz schon seinen ersten Kuraten, den vormaligen Stadtkaplan der Sankt Lorenz Pfarrei Kempten.
Heiligkreuz wurde als Wallfahrtsort weithin bekannt.
Zur Zeit des "Blutwunders" gab es, wie zu Anfang erwähnt, im Bereich des heutigen Heiligkreuz einen Einzelhof mit Namen "Krönlings", der im Lehensbuch von 1451 mit "zem Könings" und im Memminger Vertrag von 1526 mit "Khreinings" benannt wurde.
Heute steht dort die obere Wirtschaft "Zum Kreuz".


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